Ökonomismus

Ökonomismus ist die vermutlich letzte verbleibende Großideologie unserer Zeit. Trotz gewissen Rückschlägen seit der Finanzkrise ist der Ökonomismus nach wie vor äußerst wirkungsmächtig. Es ist der mehr oder minder ausdrückliche Versuch, das Eigeninteressestreben des Homo oeconomicus zum Moralprinzip (zum Prinzip des Richtigen) zu erheben. Es ist der Glaube, dass die »freie« (ungehemmte) Entfaltung der Marktmächte dem Wohle aller diene (Marktgläubigkeit). »Vernünftig ist, was rentiert« – so hatte Max Frisch das Motto des Ökonomismus in entlarvender Absicht auf den Punkt gebracht.

Der Ökonomismus billigt und unterstützt legitimatorisch jede Form der Ökonomisierung der Lebensverhältnisse (»ökonomischer Imperialismus«) und trägt so zur Zerstörung gemäßigter, eingebetteter Formen der Marktwirtschaft bei. Häufig ist von »Neoliberalismus« die Rede, obwohl dies nicht ganz präzise ist, da der Ökonomismus eine Ethik ohne Moral ist (er billigt ja das Prinzip Eigeninteresse), der Neoliberalismus hingegen eine moralische Pflicht kennt: nämlich sich dafür einzusetzen, dass überall Wettbewerb herrscht.

Soweit die Einträge im MeM Blog dem Themenbereich Ökonomismus zuzuweisen sind, fungiert dieser als eine Art Ökonomismuswatch: Es wird aufgezeigt, wie unser Urteilsvermögen zu vernebeln versucht wird durch die ökonomistische Uminterpretation von Werten.


 

Als Grundlagen- und Schlüsseltexte im Bereich »Ökonomismus« werden empfohlen:

1. Für den leichten Einstieg

2. Für den wissenschaftlich-systematischen Einstieg

Blog

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Neoliberale Hofberichterstattung

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Kategorie: Ökonomismus

27. September 2014

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Die falsche Meinungsführerschaft des Sigmar Gabriel

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09. April 2014

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01. April 2014

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Kategorie: Ökonomismus

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Nach Verkündung positiver Wachstumsprognosen für die EU meint EU-Kommissar Olli Rehn: «Das heißt nicht, dass wir uns zurücklehnen können.» Wachstum bedeutet, dass es den Beschäftigten gelang, den Wettbewerbsdruck, dem sie...

Ulrich Thielemann
Kategorie: Ökonomismus, Freiheit