Fairness

Fairness ist die Schlüsselkategorie für die Beurteilung der Gerechtigkeit der Marktverhältnisse. Die Markt(macht)verhältnisse sind nicht, jedenfalls nicht vorrangig, darum problematisch, weil auf andere physisch eingewirkt würde (»externe Effekte« bis hin zur Gewaltausübung; letztere spielt systematisch überhaupt keine Rolle, weshalb Marktlibertäre im Markt den Inbegriff von »Freiheit« zu erblicken können meinen). Die Auseinandersetzungen um die Gerechtigkeit der Marktverhältnisse drehen sich auch nicht vorrangig darum, dass Unbeteiligten nicht geholfen würde (reine Solidarität) – sondern darum, dass den Beteiligten, den Mitarbeitenden und Mitwirkenden, ihr fairer Anteil am Wohlstandskuchen, zu dessen Entstehung sie im arbeitsteiligen Prozess beitragen haben, vorenthalten wird oder ihnen übergebührlich hohe Lasten aufgebürdet werden. Bei der Fairness handelt es sich um einen Gerechtigkeitsanspruch, dem ein hoher Grad an moralischer Verbindlichkeit zukommt.

Unter dem Stichwort »Fairness« thematisiert das MeM vor allem Fragen der (Einkommens-) Verteilungsgerechtigkeit. Diese manifestiert sich vorrangig im Bereich der Primärverteilung, aber auch im Bereich der Sozial- und Steuerpolitik. Diese Politikbereiche sind nicht bloß, wie häufig angenommen, als Ausdruck eher unverbindlicher Solidarität zu deuten, sondern zu guten Teilen als Ausdruck der im hohen Maße verbindlichen (moralisch einklagbaren) Herstellung der Fairness der Marktverhältnisse zu betreiben.

Die immer wieder und durchaus zu Recht kritisierten Managervergütungen werden hier nur als besonders schlagende und sichtbare Beispiele der (Un-)Fairness der gegenwärtigen Marktmachtverhältnisse diskutiert. Ethisch-systematisch wird der Boni-Frage unter dem Gesichtspunkt der guten (oder je nachdem: schlechten) Unternehmenssteuerung (»Compliance«) nachgegangen.

 


Als Grundlagen- und Schlüsseltexte im Bereich »Fairness« werden empfohlen:

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