Ökonomisierung

Ökonomisierung heißt Elimination aller marktfremder Gesichtspunkte aus den Interaktionsbeziehungen. Es zählt dann nur noch die Kaufkraft einerseits, die Produktivität bzw. Leistungsfähigkeit andererseits. Dies nennen Ökonomen »Rationalisierung«, denn alles andere sei ja »irrational«.

Ökonomisierung lässt sich auch als Abkehr von einer menschlichen, einer sozialen, einer gemäßigten bzw. von einer in Werte der Fairness, Verantwortbarkeit und Sinnhaftigkeit eingebetteten Marktwirtschaft fassen. Die prinzipielle Rechtfertigung der Ökonomisierung und die legitimatorische Begleitung von Ökonomisierungsprozessen, das ist der Ökonomismus.

Die Felder der Ökonomisierung sind vor allem:

  • die Unternehmen (ökonomische Radikalisierung)
  • die Bildung (Bildung als Humankapitalbildung)
  • die Politik (Politik als Standortpolitik).

Was die ethische Beurteilung anbelangt, so lassen sich Ökonomisierungsprozesse nicht so eindeutig als ethisch falsch zurückweisen wie der Ökonomismus. Die wirtschaftsethische Aufklärungsarbeit besteht hier vor allem darin, die Ökonomisierungsprozesse zunächst als solche zu benennen (statt sie als eine Art Naturnotwendigkeit erscheinen zu lassen), um dann fragen zu können, ob die Ökonomisierung nicht zu weit getrieben wurde, woran heute kaum mehr zu zweifeln ist.

Im Ergebnis führt die Ökonomisierung nicht nur (und strenggenommen nicht ganz zwingend) zu den gegenwärtigen Einkommensdisparitäten, sondern mündet vor allem im Zwang zum (Lebens-)Unternehmertum, der sich insbesondere in der Zunahme von Stress manifestiert.

 


Als Grundlagentexte im Themenbereich »Ökonomisierung« werden empfohlen:

  • Thielemann, U.: System Error. Warum der freie Markt zur Unfreiheit führt, Frankfurt a.M. 2009, Kapitel 3 (»Die Totalisierung des Marktes«) und 7 (»Die Kosten des Wachstums«).
  • Thielemann, U.: Integrative Wirtschaftsethik – als Reflexionsbemühung im Zeitalter der Ökonomisierung, in: Mieth, D./Schumann, O.J./Ulrich, P. (Hrsg.), Reflexionsfelder integrativer Wirtschaftsethik, Tübingen/Basel 2004, S. 69–102.

Zur Problem der Ökonomisierung der Bildung wird empfohlen:

  • Thielemann, U.: Transzendentale Ökonomik. Bemerkungen zur Ökonomisierung der Wissenschaften, in: Deutscher Hochschulverband (Hrsg.), Glanzlichter der Wissenschaft, Stuttgart 2004, S. 131–136.

Zum Phänomen der Zunahme arbeitsbedingten Stresses wird empfohlen:

 

 


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